Sellbekrenaturierung im Naturpark Aukrug
Sellbekrenaturierung im Naturpark Aukrug in Schleswig-Holstein
Veranlassung
Das Quellgebiet des Sellbeks liegt in einem naturnahen Waldgebiet. Der Bach mündet ca. 3,5 km unterhalb in die Bünzau, einem Nebenbach der Stör. Bis zur Renaturierung 2019 floß er auf 1,7 km verrohrt durch ein Ackerbaugebiet. Zur Verbesserung der gewässerökologischen Verhältnisse und zum Ersatz der baufälligen Verrohrungen plante die Kurt-und-Erika-Schrobach-Stiftung zusammen mit dem Wasser- und Bodenverband Bünzau, dem Naturschutzring Aukrug e.V. und dem Ingenieurbüro Reese + Wulff sowie der Unteren Wasserbehörde Rendsburg-Eckernförde die Offenlegung des Sellbeks in dem Ackerbaugebiet. Besondere Beachtung verdient dieses Projekt, weil abweichend von sonst üblichen tiefen Sohlenlagen bei Gewässerrenaturierungen in Ackerbaugebieten hier in großen Teilabschnitten eine naturnahe hohe Lage der Gewässersohle ermöglicht wurde. Außerdem war durch ein Flurneuordnungsverfahren ein breiter Geländestreifen für die Gewässerentwicklung gesichert worden.

Lage und Naturraum
Das Sellbekgebiet liegt im Gebiet der Gemeinde Aukrug, Ortsteil Bargfeld im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Der Bach, im Naturpark Aukrug gelegen, entspringt naturräumlich in der Hohen und mündet in der Vorgeest. Gemäß Bodenübersichtskarte des Landes Schleswig-Holstein stehen im Sellbekgebiet Braunerde und Gley-Podsol an. Das gesamte Einzugsgebiet des Sellbeks beträgt 3 km². Das obere Einzugsgebiet besteht aus naturnahem Mischwald. Daran schließt sich ein ackerbaulich genutztes und durch Wallhecken (Knicks) umsäumtes Gebiet an, bevor der Sellbek in die Bünzau mündet. Das Talgefälle in dem Ackerbaugebiet beträgt ca. 7 ‰.
Planung und Umsetzung
Wegen der baufälligen Bachverrohrungen sowie zur Verbesserung der ökologischen Verhältnisse wurde eine Offenlegung des Sellbeks in dem Ackerbaugebiet zwischen dem naturnahen Quellgebiet und der Bünzau geplant. Durch ein Flurneuordnungsverfahren konnte ein 30 m breiter Geländestreifen für die neue Gewässergestaltung und zwei begleitende Knicks zur Verfügung gestellt werden. Üblicherweise werden Gewässer in Ackerbaugebieten in einer unnatürlich tiefen Sohlenlage geplant, um die Vorflut für Felddränagen für den zum Ackerbau notwendigen Grundwasserflurabstand zu ermöglichen (vgl. MUTH 1990). Bei der Sellbekrenaturierung wurde in großen Teilabschnitten eine hohe Gewässersohle, nur 25 cm unter dem Talgrund, geplant. Damit konnte dem ökologischen Leitbild von Sandbächen im Tiefland des Umweltbundesamtes 2019 weitgehend entsprochen werden.
Der Schutz der seitlich angrenzenden Äcker vor Überflutung wird durch die seitlichen Wälle gewährleistet. Eine Vernässung der Äcker wird durch je eine Dränleitung in den Äckern parallel zur Grenze der Gewässerparzelle mit einem Abstand von ca. 15 m dazu vermieden. Im Kreuzungsbereich mit Wegen oder Straßen wird die Bachsohle in einer Tiefe von 1,5 m unter dem Gelände geführt, um die Durchlasskonstruktion und den Wegeaufbau darüber zu ermöglichen. Im Oberwasser des Durchlasses münden die Dränleitungen von beiden Seiten in den Bach. Die Sohle auf der Steilstrecke oberhalb des Durchlasses wurde durch Kiesschüttungen gesichert. Unterhalb des Durchlasses schließt sich eine Strecke mit flachem Gefälle an, bis die Bachsohle wieder eine Höhe von 25 cm unter dem Talboden erreicht hat.
Die Knicks wurden mit gebietsheimischen Bäumen und Sträuchern bepflanzt. Die Begrünung der Gewässerparzelle zwischen den Knicks wurde der natürlichen Sukzession überlassen. Finanziert wurde diese biotopgestaltende Maßnahme aus Mitteln des Landesprogramms ländlicher Raum (LPLR) Schleswig-Holstein 2014–2020 (EU-(ELER)-Mittel: 75 %, Landesmittel 25 %).




Bewertung der Renaturierungsmaßnahme
Durch die Renaturierung des Sellbachs ist eine Alternative zu der in Ackerbaugebieten üblichen Gewässergestaltung mit tiefliegender Sohle erfolgreich geplant und umgesetzt worden. Die Alternative ermöglicht auf längeren Strecken eine dem Gewässerleitbild konforme flache Profilgestaltung. Hierdurch kommt es schon bei kleinen Hochwassern zu Ausuferungen, die aber durch die seitlichen Wälle begrenzt werden. Es entsteht ein Beitrag zur dezentralen Hochwasserrückhaltung in einem Oberlauf. Aufgrund des schnellen Ausuferns ist die Erosionseinwirkung auf Bachsohle und Ufer sehr gering. Sicherungen waren nicht erforderlich. Innerhalb der Gewässerparzelle gibt es eine begrenzte Grundwasserneubildung. Die seitliche Ackernutzung wird durch die Dränleitungen und die Wälle vor Vernässung geschützt. Die Kosten für Erdmassenaushub und -deponierung sowie für Sicherungsbauweisen wurden reduziert. Auf eine Begrünung der Gewässerparzelle konnte verzichtet werden, da mit einer Spontanbegrünung aus dem naturnahen Oberlauf gerechnet wurde. Auf eine Gewässerunterhaltung konnte bisher verzichtet werden und ist auch voraussichtlich für die Zukunft nicht vorgesehen.
Literatur und Schriften
- Bodenübersichtskarte des Landes Schleswig-Holstein 1:250.000. Hrsg.: Landesamt f. Landwirtschaft, Umwelt u. ländliche Räume 2015.
- MUTH, W. 1990: Landwirtschaftlicher Wasserbau, Bodenkultur. Werner Ingenieurtexte.
- https://www.gewaesser-bewertung.de/media/steckbriefe_fliessgewaessertypen_dez2018.pdf – page 117
- Umweltbundesamt 2019: Steckbrief des Fließgewässertyps 14 Sandgeprägte Tieflandbäche.
- Ingenieurgemeinschaft Reese + Wulff GmbH 2018: Entrohrung und naturnahe Gestaltung der Sellbek, südlich der Gemeinde Aukrug, unveröffentlichte Genehmigungsplanung.
Autoren: Rolf Johannsen, Niklas Zander, Friedhelm Petzke
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